Der wahre Fluch der Karibik – Neue Serien setzen auf historische Vorbilder

10.06.2015

Seit dem ein geschminkter Johnny Depp in seiner unnachahmlichen Weise durch die Karibik torkelte, ist das Piratengenre aus der modrigen, alten Seekiste befreit und wieder ein beliebter Teil der Unterhaltungskultur geworden.

Aber während sich Jack Sparrow – verzeihung, Captain Jack Sparrow – und seine Crew mit aztekischen Flüchen und hungrigen Meerjungfrauen rumschlagen mussten, versuchen neuere Projekte den wahren Alltag der Schrecken der Meere einzufangen. Dabei bedienen sie sich neben den Klassikern des Genres vor allem einer Quelle: Den Geschichtsbüchern.

Realismus statt Magie, Klassiker statt Klamauk


Die Fluch der Karibik Filme rund um den genauso verwegenen wie verlogenen Captain Jack Sparrow haben das Piratenfilm-Genre, das schon ein wenig Algen und Seepocken angesetzt hatte, seiner Zeit kräftig durchgespült. Das lag nicht zu Letzt an dem neuen, an Fanatsy-Abendteuern á la Indianer Jones orientiertem Stil des Teams um Regisseur Gore Verbinski und natürlich der stilprägenden Performance von Johnny Depp. Doch im goldenen Zeitalter der epischen Serien sind komplexe Figuren und Handlungsstränge mehr gefragt, als bunte Monster und Zaubertricks. Diese Entwicklung ist auch im Piraten-Genre klar zu erkennen. Beispielhaft dafür ist die, vom US-Sender Starz produzierte Serie „Black Sails“, die auch im deutschen Fernsehen und Video-Plattformen zu sehen ist.
Black Sails bildet ein Prequel zu Robert Louis Stevensons Klassiker „Die Schatzinsel“ von 1882, der bereits mehrfach und in verschiedener Wiese – unter anderem in einer legendären Muppets-Version und einer deutsch/französischen Fernsehserie– filmisch verarbeitet wurde. Dabei ist Black Sails jedoch nicht für ein jugendliches und schon gar nicht für ein Kinderpublikum konzipiert. Denn wie es sich für eine auf Realismus setzende Piraten-Saga gehört wird hier unentwegt geflucht, gesoffen, gehurt, gebrandschatzt und gemordet. Dabei ist das unflätige Verhalten der Protagonisten jedoch nie plumper Selbstzweck, sondern bildet immer einen sinnvollen Teil der dichten Atmosphäre und komplexen Handlung.

Eine Crew voll legendärer Piraten


Neben der Inszenierung erzeugt Black Sails seinen Realismus auch, in dem die Macher der Serie neben der klassischen Buchvorlage auch die Geschichtsbücher als Inspiration nutzen. So sind von den wichtigsten Protagonisten der Serie,

- Captain J. Flint
- John Silver
- Jack Rackham
- Anne Bonny
- Charles Vane

gleich drei legendäre Piraten, die es wirklich gegeben hat. Charles Vain war ein berüchtigter Pirat, der allerdings ganz anders als in der Serie, für seine guten Manieren als Gentleman-Pirat bekannt war. Auch Anne Bonny und Jack Rackham waren real existierende Figuren. Wie in der Serie auch waren sie ein Paar und begannen ihre Karriere beide als Mitglieder von Vains Crew. Jack Rackham, auch bekannt als Rackham der Rote, bildete außerdem bereits die Vorlage für den gleichnamigen Tim und Struppi Comic. Wer jetzt allerdings fürchtet, die Action käme über so viel Realität zu kurz, sei hier aber ausdrücklich beruhigt. Denn ausführender Produzent der Serie ist niemand anderes als Michael Bay, der Regisseur von Action-Spektakeln wie „Bad Boys“ und den Transformers Filmen.